Klinik Schützen Blog

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Diagnose Krebs: Grenzerfahrung für Körper und Psyche

Eine Krebserkrankung ist auch bei einer frühen Diagnose und mit guten Heilungschancen eine grosse Herausforderung für Betroffene und ihre Angehörigen: körperlich und seelisch. Die nationale Strategie gegen Krebs fordert deshalb, dass eine psychoonkologische Unterstützung ein integraler Teil der Krebsbehandlung ist. Die Geschichte von Maria K. zeigt, wie man nach der Diagnose Krebs den Boden unter den Füssen verlieren und doch wieder neues Vertrauen finden kann.

Zuerst war es nur ein Verdacht, dann kam der definitive Befund: Brustkrebs. Da schon ihre Mutter an Brustkrebs erkrankt war, entschloss sich Maria K., 51-jährig, die Brust entfernen zu lassen. So wollte sie das Risiko auf ein Rezidiv, also einen Rückfall, möglichst geringhalten und sich selbst eine Bestrahlung ersparen.

Psychische Krise trotz guter medizinischer Prognose
Die Chance auf Heilung war bei Maria K. gut; trotzdem hat sie diese Krebserkrankung psychisch aus der Bahn geworfen. Zunehmend verlor sie Zuversicht und Vertrauen und die Kraft, auch alltägliche Aufgaben zu bewältigen und wurde zu 100% arbeitsunfähig. «Ich fühlte mich orientierungs- und antriebslos, meine Gedanken drehten sich im Kreis und ich litt unter Schlafproblemen. Als Mutter und Pflegefachfrau war ich es gewohnt, auch unter Druck zu ‘funktionieren’. Ich verstand meine Krise nicht», erinnert sich die Frau. Dass auch ihr Ehemann und der Sohn zunehmend überfordert und verunsichert reagierten, belastete Maria K. zusätzlich. Weil die ambulante psychoonkologische Behandlung und Medikamente keine ausreichende Stabilisierung brachten, entschloss sie sich schliesslich zu einem stationären Aufenthalt in der Klinik Schützen Rheinfelden.

Abstand gewinnen, Ruhe finden
Hier in der ruhigen Atmosphäre der Klinik Schützen in Rheinfelden gelang es Maria K. in einem auf sie abgestimmten Therapieprogramm zum ersten Mal, die Auswirkungen der Krebserkrankung und die damit verbundenen Gefühle und Ängste aufzuarbeiten. Der Blick in ihr Innerstes war sehr emotional und wühlte sie zu Beginn stark auf. Zuerst konnte sie noch schlechter schlafen, war sehr zerbrechlich und spürte ihre emotionale Verletzlichkeit. «Da hat es mich schon ziemlich durchgeschüttelt. Nach einigen Tagen fühlte ich mich aber bereits etwas sicherer. Die Pflegepersonen und meine Therapeutin gaben mir Halt, und die regelmässigen Gespräche taten mir gut,» erzählt sie. Auch der Ehemann wurde zu einem Gespräch eingeladen. Dabei sollte dem Paar geholfen werden, sich gegenseitig zu unterstützen, ohne einander und sich selbst zu überfordern.

Neue Lebensperspektiven fördern
Nach und nach entwickelte Maria K. wieder neue Lebensperspektiven. Maltherapie und Achtsamkeit-Übungen halfen ihr, ihr Erleben auszudürcken und zu klären. Verschiedene Körpertherapien wie Physiotherapie, Nordic Walking oder Yoga halfen gegen die lähmende Erschöpfung und verbesserten ihr Körpergefühl. «Ganz wichtig war für mich, dass ich mein Therapieprogramm mitgestalten konnte. Es gab mir wieder ein Gefühl, selber bestimmen zu können.»

In der Gruppentherapie tauschte sich Maria K. mit anderen betroffenen Patientinnen und Patienten aus und erfuhr, wie diese mit ihrer Krebserkrankung und den damit verbundenen Ängsten umgehen. «Die Gespräche und gemeinsamen Aktivitäten halfen mit, meinen eigenen Weg im Umgang mit der Krankheit zu finden.»

Zurück in den Alltag
Nach 6 Wochen Aufenthalt kann Maria K. die Klinik Schützen Rheinfelden wieder verlassen. Die Zeit nach dem Austritt wurde schon in der Klinik sorgfältig geplant: Die Psychotherapie wird ambulant weitergeführt. Maria K. will die körperlichen Aktivitäten beibehalten, weil sie herausgefunden, wie gut sie ihr tun. Auch möchte sie weiter malen, denn die neu entdeckte Kreativität bereitet ihr Freude.

Auch wenn es ihr anfänglich schwerfiel, sich für einen Klinikaufenthalt zu entscheiden, weil sie nicht wusste, was dort auf sie zukommen würde; im Nachhinein ist Maria K. froh über die Zeit in der Klinik: «Ich fühle mich stärker und sehe klarer in die Zukunft. Natürlich bleibt die Angst vor einem Wiederauftreten des Brustkrebses – doch ich kann mit dieser Angst heute besser umgehen.»

 

Nachgefragt bei Dr. med. Christine Szinnai, Oberärztin Psychosomatische Onkologie in der Klinik Schützen Rheinfelden.

Was kann die Diagnose Krebs bei Patientinnen oder Patienten psychisch auslösen?
Die Diagnosestellung ist für viele ein Schock. Anfänglich steht die körperliche Behandlung im Vordergrund, die psychische Verarbeitung folgt meist später. Viele reagieren mit Ängsten vor der Zukunft und dem weiteren Krankheitsverlauf, mit dem Gefühl von Hoffnungslosigkeit oder depressiven Symptomen. Auch das Selbstwertgefühl ist häufig beeinträchtigt.

Warum ist eine psychoonkologische Begleitung so wichtig?
Eine frühzeitige psychoonkologische Begleitung hilft, den psychischen Belastungen zu begegnen. Es tut gut, wenn jemand die eigenen Ängste versteht und gemeinsam mit den Betroffenen werden Bewältigungsstrategien erarbeitet.

Wann ist ein stationärer Aufenthalt angezeigt?
Ein stationärer Aufenthalt ist dann nötig, wenn die ambulante Therapie nicht ausreichend Fortschritte zeigt oder auch wenn aufgrund der Erschöpfung das Therapieprogramm zur Überforderung führt. Auch kann der stationäre Aufenthalt wie bei Maria K. eine Auszeit bedeuten, in der alltägliche Anforderungen wegfallen, eine intensive Behandlung im Zentrum steht und die Besinnung auf sich selbst und der eigenen Krankheitsverarbeitung möglich werden.

Was können Angehörige für die betroffene Person tun?
Eine Krebserkrankung belastet meist auch die Angehörigen. Diese möchten gerne helfen, doch wissen nicht wie. Dadurch fühlen sie sich oft überfordert. Auch ihnen kann eine psychoonkologische Begleitung mit einem Angehörigengespräch Entlastung bieten. Es ist wichtig, dass die Angehörigen auch für sich selbst schauen dürfen, denn sonst kommt es zu Schuldgefühlen und vermehrter Belastung bei den Betroffenen.

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

Weiterführende Informationen zum Thema Psychoonkologie:

VERÖFFENTLICHT AM 26. MÄRZ 2019

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