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Wenn Stress krank macht

In der Schweiz klagen immer mehr Erwerbstätige über Stress am Arbeitsplatz. Und fast die Hälfte aller Personen, die regelmässig oder dauerhaft Stress erleben, fühlt sich am Arbeitsplatz emotional erschöpft. Dieses Gefühl der emotionalen Erschöpfung ist ein wichtiges Warnsignal für ein hohes Burnout-Risiko. Was also tun bei Burnout? Oder besser: Was tun, damit es nicht zum Burnout kommt?

Die Schweizerische Gesundheitsbefragung SGB, die alle fünf Jahre vom Bundesamt für Statistik (BfS) durchgeführt und publiziert wird, liefert konkrete Zahlen: 2017 litten 21 Prozent der Erwerbstätigen an ihrem Arbeitsplatz meistens oder immer unter Stress. Im Jahr 2012 waren es noch 18 Prozent. Je mehr psychosoziale Risiken (siehe Abb. G4) zusammenkommen, umso grösser wird das Stressgefühl. Und von den Menschen, die regelmässig Stress erleben, geben 49 Prozent an, sich emotional erschöpft zu fühlen (siehe Abb. G8).

Den kompletten Bericht zur SGB finden Sie am Ende des Artikels als PDF-Download. Die nächste Gesundheitsbefragung wird 2022 durchgeführt.

Nicht jede berufliche Belastung führt zum Burnout

Das Gefühl von anhaltendem Stress kann also durchaus am Anfang einer Burnout-Entwicklung stehen. Betroffene sind nervös, gereizt, müde und erschöpft – dies auch nach einem freien Wochenende oder in den Ferien. Allerdings sollte man den Begriff Burnout nicht überdehnen: Nicht jede berufliche Belastung führt zu einem Burnout. Doch ständiger Druck am Arbeitsplatz, Stress wegen permanenter Umstrukturierungen, wenig Anerkennung trotz hohem Leistungseinsatz, Angst vor Stellenverlust, Überstunden und wenig

Erholungszeiten, immer weniger Kontakt zu Familie und Freunden – das alles kann zu einer «emotionalen Erschöpfung» führen. Kommen dann noch äussere Belastungen wie beispielsweise die Betreuung

von erkrankten Angehörigen, Beziehungsprobleme oder finanzielle Sorgen dazu, wird das Risiko für ein Burnout immer grösser.

 

Handeln, bevor es zu spät ist

So ist Handeln angesagt, bevor die Belastungen zu gross werden und das Befinden, die Lebensqualität und auch die Arbeitsleistung beeinträchtigen, womöglich bis zur Arbeitsunfähigkeit. Die beste persönliche Prävention vor einem Burnout sind: ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben, die aktive Pflege der partnerschaftlichen, familiären und sozialen Kontakte und ein gesunder Lebensstil mit genügend Bewegung in der Natur.

 

Am Arbeitsplatz selbst gilt es möglichst gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, die die Zufriedenheit fördern: Wertschätzung, transparente Informationen, Respekt und Fairness sind wichtige Faktoren für eine gesunde Arbeitsatmosphäre. Entscheidend ist eine Sensibilisierung auf mögliche Überbelastungen und ihre Symptome und die Bereitschaft, auch über Probleme zu reden. «Hilfreich ist die entsprechende Schulung von Führungskräften, um psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen und richtig damit umzugehen,» sagt Sandrine Burnand, leitende Psychologin in der Abteilung für individuelle Psychotherapie in der Klinik Schützen Rheinfelden.

 

Die Crux aber ist: Das Burnout ist ein Teufelskreis, aus dem Betroffene nicht so leicht ausbrechen können. Denn besonders gefährdet sind Perfektionisten, die ihren Job lieben und besonders gut machen wollen; oft auch Menschen, die nur schwer Hilfe in Anspruch nehmen können. «Über Burnout reden, ist der erste Schritt zur Besserung», ist Sandrine Burnand überzeugt.

 

Wenn aus der emotionalen Erschöpfung eine Erschöpfungsdepression wird

Bei einem fortgeschrittenen Burnout handelt es sich medizinisch meist um eine sogenannte Erschöpfungsdepression. Die «Batterie» ist leer; Betroff­ene fühlen sich wie fremdgesteuerte Maschinen,

ohne Energie, Tatkraft, Kreativität und Freude. Sie können sich nur noch mit grösster Willenskraft motivieren. Es dominieren Gefühle wie Überdruss, Pessimismus, Gereiztheit. Die Gedanken kreisen, die Konzentrationsfähigkeit ist beeinträchtigt und oft kommen körperliche Schmerzen, Verspannungen, Verdauungsprobleme und Schlafstörungen dazu. Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch sind nicht selten und manchmal wächst der Gedanke an Suizid, wenn die Situation aussichtslos erscheint.

 

Es gibt Wege aus dem Burnout

Oft reichen bei einem beginnenden Burnout arbeitsbezogene Massnahmen (z.B. Entlastung, klarere Zielsetzungen), ein Arbeits-Coaching und/oder ein verändertes Freizeitverhalten mit mehr Erholung, Sinn und Ausgleich aus. Bei einem leichtem und mittelschwerem Burnout helfen ambulante hausärztliche bzw. psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlungen weiter.

 

Bei schweren Formen ist ein stationärer Aufenthalt von meist drei bis sechs Wochen in einer Klinik für Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie angezeigt. Dort führen Ärzte und Psychologen intensive Einzel- und Gruppenpsychotherapien durch, somatische Ärzte körperliche Abklärungen und Behandlungen. Zudem wird die körperliche und seelische Regeneration durch Physiotherapie, Massage, Fitness, Entspannung sowie Mal- und Musiktherapie gefördert. Ein stationärer Aufenthalt ist auch sinnvoll, damit Betroffene aus der gewohnten Umgebung herauskommen. In einer Klinik finden sie in einem angenehmen Ambiente Ruhe und Entspannung und können so zu neuen Kräften kommen.

 

Bewältigungsstrategien lernen

Sind die quälendsten Symptome des Burnouts abgeklungen, beginnt bereits die Vorbereitung auf die Wiedereingliederung. Dies istein ganz wichtiger Punkt, wie Hanspeter Flury, Chefarzt und Klinikdirektor der Klinik Schützen Rheinfelden betont: «Wichtig ist, Burnout-Patienten gezielt auf den Wiedereinstieg ins private und berufliche Leben vorzubereiten und zu begleiten. Dazu suchen wir auch das Gespräch mit den Angehörigen und dem Arbeitgeber. Nach dem Klinik-Aufenthalt hilft eine ambulante Psychotherapie den Betroffenen, sich selbstbewusster wahrzunehmen, heikle und belastende Situationen früh zu erkennen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln: am Arbeitsplatz, im Freizeitverhalten und im Umgang mit sich selbst. Denn nur so können die Fortschritte in einer Behandlung auch längerfristig weiterwirken und zu einer nachhaltigen Gesundung beitragen.»

VERÖFFENTLICHT AM 07. OKTOBER 2021

STICHWORTE

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