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Depression: Nicht bloss traurig

 #NotJustSad – unter diesem Hashtag schreiben Menschen mit Depressionen auf dem Social Media Kanal Twitter Kurznachrichten. Beiträge mit bis zu 280 Zeichen, die bewegen:

  • „Und vielleicht, nur vielleicht, ist es einfach besser wenn ich geh… #notjustsad
  • „An Tagen wie heute stelle ich wieder alles in Frage. Frage mich, wozu dieser Kampf jeden Tag. #notjustsad“
  • „Es ist ein schreckliches Gefühl selbst sein grösster Gegner zu sein. #notjustsad #Depression“
  • „Das Leben macht mir keine Freude mehr. #suizidgedanken #notjustsad #depression #DemEndeSoNah“

Beim Lesen der Tweets kriegt man Gänsehaut. Die Verzweiflung, Ohnmacht, der Kampf mit sich selbst und die Angst der Menschen, die diese Beiträge verfassen, scheinen zum Greifen nah. Sie leiden unter Depressionen: Eine psychische Krankheit, die lange totgeschwiegen wurde, aber für Betroffene eine riesige Belastung darstellt.

Dem Leben den Rücken gekehrt
Depression ist die häufigste psychische Krankheit. Oftmals trifft es Menschen, die selber sehr hohe Ansprüche an sich stellen. Die Symptome, unter denen die Betroffenen leiden, sind vielseitig und bedrückend: Von Stimmungsschwankungen über Energie- und Antriebsmangel bis hin zu Schlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden und vielen mehr. Es sind Symptome, die den Betroffenen das Leben schwer machen. Gelassenheit, Freude und Unternehmenslust schwinden. An ihre Stelle treten negative Gedanken und Verzweiflung. Die Lebensfreude geht verloren, der Betroffene ist antriebslos und sucht den Ausweg aus diesem Kampf mit sich selbst oft im Suizid.

Weshalb bist du traurig?
Menschen mit Depressionen wirken auf ihr Umfeld traurig, unzufrieden und unausgeglichen. Aussenstehende gehen davon aus, dass es sich dabei lediglich um einen temporären Gemütszustand handelt und nicht um eine ernstzunehmende Krankheit. Die Sorgen und Ängste der Betroffenen bleiben oft unverstanden, treffen manchmal sogar auf Spott. Dass depressive Menschen aufgrund einer psychischen Krankheit mit sich selber ringen, ist für Aussenstehende vielfach schwer nachvollziehbar. Die Wahrheit ist:  Betroffene sind nicht bloss traurig, sie fühlen sich leer, ver­zweifelt, ohne Hoffnung. Sie leiden unter Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen und Zu­kunftsängsten. Es ist wichtig zu verstehen, dass eine Depression eine ernstzunehmende Krankheit ist, die den Alltag von Betroffenen massiv einschränkt.

Die gute Nachricht: Eine Depression ist gut behandelbar.
Depression ist eine Krankheit, die sehr gut behandelt werden kann. Eine gezielte Therapie reduziert die Symptome, unterstützt die Bewältigung von psychischen und sozialen Belastungen, fördert Ressourcen und steigert die Lebensqualität. „Je früher eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung einsetzt, desto rascher und effektiver wirkt sie“, sagt Dr. med. Andreas Schmid, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in der Klinik Schützen. Deshalb empfiehlt es sich, frühzeitig Hilfe zu holen und bei ersten Anzeichen einer Depression rasch zu handeln.

Licht, Sport und Bewegung wirken positiv
Es gibt verschiedene Therapien, um eine Depression zu behandeln. Vielfach ist es eine Kombination aus Psychotherapie und Psychopharmaka. Auch der Miteinbezug von Angehörigen in die Behandlung kann für den Betroffenen bei der Bewältigung von Depressionen sehr hilfreich sein. Bei schweren Selbstmordgedanken empfiehlt sich eine stationäre Behandlung in der Klinik.  Bewegung und Sport sowie Lichttherapien können bei der Bewältigung der Krankheit ebenfalls sehr wirkungsvoll sein.

Kann man Depressionen vorbeugen?
„Genügend Licht, Bewegung und Sport sind wichtige Faktoren zur Vorbeugung von Depressionen sowie eine regelmässige Lebensführung, die auch genügend Freude, Ausgleich und befriedigende soziale Kontakte ermöglicht“, erklärt Dr. med. Schmid.

Fühlen Sie sich depressiv? Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt darüber. Lassen Sie sich frühzeitig helfen, damit Sie wieder Freude am Leben haben.

VERÖFFENTLICHT AM 15. NOVEMBER 2017

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